In einem sehr interessanten Vortrag am 01. Oktober 2015 konnte Herr Prof. Dr. Andreas Löschel seine Erfahrungen zum Energiemonitoring der Bundesregierung dem BUND Bruhrain näher bringen.

Professor Löschel hat die Europäische Kommission, das Europäische Parlament und Bundes- und Landesministerien zu wirtschaftspolitischen Fragestellungen im Bereich der Umweltökonomik beraten, insbesondere in der Energie- und Klimapolitik. Er ist Professor für Mikroökonomik, mit Schwerpunkt Energie- und Ressourcenökonomik und Vorsitzender der Expertenkommission zum Monitoring der Energiewende der Bundesregierung.

Die Energiewende hat zahlreiche und vielfältige Auswirkungen auf unser Leben.

Prof. Löschel hat uns nachvollziehbar und eindrucksvoll den Stand der Energiewende aus übergreifender Sicht vermittelt.

Die nachfolgenden Aussagen sind ein Versuch, "unsere Erkenntnisse aus diesem Vortrag aus Sicht des BUND - Bruhrain" darzustellen.

Grundsätzlich wurde im Bericht klar, dass die Ziele der Bundesregierung im Wesentlichen nicht erreicht werden. So liegen die Werte des Treibhausgases weit weg von den angestrebten Zielen. Absehbar wird die Zielverfehlung auch für die Anzahl der Elektrofahrzeuge sein.

Der Schwerpunkt liegt neuerdings auf der Verringerung des Energieverbrauches und die Erhöhung der Energieeffizienz. Durch Energetische Gebäudesanierung und energieeffizientes Bauen ist eine Verbesserung eingetreten. Gerade im Neubausektor wirken die gesetzlichen Verordnungen mit den Programmen z.B. für erneuerbare Energien. Weiterhin wird auch im Bestand durch die Förderung von beispielsweise Wärmepumpen und energetischen Gebäudesanierung eine Effizienz erreicht.

Dennoch hat die Energieeffizienz bei Weitem nicht den angestrebten Stellenwert erreicht. Auch die Klimaschutzziele sind in großer Gefahr.

Bei den Erneuerbaren Energien (11% der verbrauchten Primärenergie Stand 2014) setzt sich dieser Trend fort. Die Windkraft, gerade im Norden, und die Photovoltaik gestalten sich im Strombereich sehr erfolgreich, auch wenn die Technologien anfangs sehr teuer waren. In den Bereichen Wärme und Verkehr hinken sie den Erwartungen deutlich nach. Bei den Privatnutzern steht die Sonnenenergie an vorderster Stelle. Durch Bioenergien werden hauptsächlich kommerziell sukzessive die solaren und geothermischen Ressourcen für den Wärmemarkt gestärkt. Die grundsätzliche Energieversorgung durch Kraftwerke und die Netze gelten derzeit durch eine Überdeckung als gesichert. Vorerst wird kein Kapazitätsengpass prognostiziert. Bei regionaler Betrachtung gilt dies jedoch nicht ganz. Es sind regional mehr (subventionierte) Stilllegungen von Kraftwerken als Nachfolger beantragt.

Die bestehenden Stromübertragungskapazitäten reichen nicht aus, um die abzeichnende regionale Versorgungslücke zu decken. Bei der geplanten Gleichstromtrassen zwischen Nord - und Süddeutschland hat sich erheblicher politischer Widerstand entwickelt. Bei der Konvertertechnik befürchtet man gesundheitliche Schäden durch Lärm – und Elektrosmog und die Folgen einer Havarie. Eine 650 km lange Stromtrasse soll den Offshore-Windpark im Norden an den Süden anbinden. Als erste Maßnahme soll der Braunkohlestandort Osterath angebunden werden. Sollte dies nicht gelingen, könnte sich eine Nord- und Südzone mit unterschiedlichen Stromversorgungspreisen abzeichnen.

Sollte es weiterhin nicht gelingen, den bestehenden Rückstand im Netzausbau zu überwinden, könnte im Extremfall sogar der Atomausstieg in Gefahr geraten. Auch die Experten sind der Meinung, dass dieses Szenario auf jeden Fall verhindert werden muss, denn der Kernenergieausstieg ist eines der beiden Oberziele der Energiewende, und diese sollten nicht gefährdet werden.

Zu wünschen wären mehr Gelder in Energieforschung und Innovation zu investieren. Im direkten Auslands-Vergleich liegt Deutschland eher im Mittelfeld.

Ebenso sollte mehr Akzeptanz für die Energiewende geschaffen werden. Die Mehrheit der Bürger ist positiv zur Energiewende gestimmt, obwohl diese die größte Last zu tragen haben. Es herrscht eine hohe Unterstützung für die Energiewende, aber Unzufriedenheit mit der Umsetzung der Energiewende.

Die folgenden Aussagen sind Überlegungen des BUND Bruhrain:

Was aus dem Vortrag abzuleiten ist, kann je nach Grundeinstellung und Charakter sehr unterschiedlich sein. Einigkeit herrscht sicher, dass wir alle (vielleicht mit wenigen Ausnahmen) die Energiewende haben wollen.

Wir wollen kein Fukushima in Deutschland, kein Supergau in Philippsburg. Wir wollen auch nicht weiterhin nur wegen unseres Energiehungers die Luft durch Kohlekraftwerke und durch unsere Autos noch mehr vergiften.

Der Klimawandel ist so gut wie möglich abzuwenden. Wir wollen nicht mehr auf Kosten der dritten Welt unseren Wohlstand aufbauen, die Umwelt und Natur wegen unserer egoistischen und materiellen Denkweise gefährden. Wir denken auch an die Menschen, die nach uns noch da leben wollen wo wir gerade leben. Da sind sich doch sicher die meisten einig?

Es ist wichtig, nicht nur die lokale Situation zu sehen. Es geht um Deutschland, um den beschlossenen Ausstieg aus der Kernkraft und vom Kohlestrom hin zu regenerativen Energien.

Es geht nicht nur um einen Konverter oder ein Windrad oder eine Solaranlage vor unserer Haustür, sondern auch um Klimaziele, wie die Einsparung von CO2 u.a. durch schnellstmögliches Abschalten der Kohlekraftwerke, um Einsparungen im Strom- und Heizungsverbrauch, um weniger Autofahren.

Es geht um die Verteilung von zentral erzeugten Strom wie z.B. durch die Offshare-Windparks im Norden nach Süden, es geht um alternative Energien, die im Grundsatz von allen für wichtig und gut befunden werden (sofern diese nicht vor der eigenen Haustür für Einschränkungen sorgen).

Es kam die Frage auf, ob fehlende Leitungen für den Strom von Nord nach Süd und den damit zwangsläufig verbunden Konverter wieder die Atomkraftwerke stärken bzw. die Laufzeiten der AKWs verlängern könnten. Mehrheitlich konnten wir uns das nicht vorstellen. Aber was ist die Alternative, wenn wir den Strom vom Norden nicht haben wollen? Aus dem Ausland den Atomstrom beziehen? Was, wenn wir also bis 2020 nicht mehr genug Strom in Baden-Württemberg haben? Wollen und können wir wirklich allen bei uns notwendigen Strom auch selbst erzeugen?

Tolerieren oder akzeptieren wir dezentrale Anlagen für Windkraft, Biogas, Geothermie, Solar in unserer unmittelbaren Nähe? Was ist die Alternative?

Oder wenn es schon sein muss, die Anlagen doch lieber weit weg in Gebieten, die seltene Tiere und Pflanzen als Lebensraum dienen?

Wir müssen den Mut zur Entscheidung haben. Und wie so oft in der Geschichte muss irgendwer den Mut dazu haben - auch wenn es sich hinterher als falsch rausstellen sollte. Die Entscheidung immer wieder hinausschieben? Die ungeliebte Entscheidung anderen zuzuschieben?

Das alles und mehr gilt es abzuwägen. Wir haben eine Verantwortung für das künftige Leben und nicht nur für unser kurzfristiges Dasein. Umweltschutz und Naturschutz ist Menschenschutz.

Wir können alle ein Zeichen setzen z.B. durch den Verbrauch von weniger Strom und den Wechsel zu Ökostrom-Anbietern. 

Gerne geben wir unser Wissen dafür weiter und freuen uns über weitere Gedanken und Hinweise zum Thema Energiewende. (Kontakt)



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